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Hochbunker Hafenstraße

Zeit: 1942 | Ort: Hafenstraße 

Die Hochbunker sind als Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg im Stadtbild leicht auszumachen. Sie dienten dem Ziel, die Bevölkerung gegen Angriffe aus der Luft zu schützen. Die Bauwerke besitzen in der Regel rechteckigen oder gar quadratischen Grundriss und haben meterdicke Außenwände und Decken aus Beton. Ein großer Vorteil war es, dass sie Volltrefferschutz boten. Unter modernen militärtechnischen Gesichtspunkten ist dies nicht mehr gegeben.

Luftbild Bunkerbauplatz 1928

Ein solcher Hochbunker steht noch heute in der Hafenstraße Ecke Pulvermühlenweg auf dem Grundstück des alten Friedhofs der Unterneustadt hinter der ehemaligen Justizvollzugsanstalt „ELWE“. Die Neustädter hatten bereits 1569 ihren Toten­hof am Wege zur Pulvermühle ( jetzige Hafen­straße ) außerhalb des Befestigungswerkes angelegt. 1770 wurde dieser Friedhof geschlossen und die Verstorbenen der Garnison fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Fried­hof vor dem Hohen Tor. 1936 fand der Vorschlag unter Erhalt des alten Baumbe­standes auf dem Standort des alten Friedhofs eine Grünanlage zu schaffen in der Öffentlichkeit große Zustimmung .Die Unterneustädter Kirchengemeinde lehnte den Antrag der Stadt, das Grundstück zu kaufen, leider ab. Aus der Grünanlage wurde nichts, dafür entstand darauf später ein Luftschutz­bunker.

Der viergeschossige Bunker besteht aus Kellergeschoss, Erdgeschoss und zwei Obergeschossen. Er hat eine Fläche von ca. 730 m² und ist mit einer Länge von 16 m und einer Breite von 15 m nahezu quadratisch. Er bot für ca. 600 Personen Schutzplätze. Dieser Bautyp wurde in den Jahren 1941 bis 1944 deutschlandweit als Regelbau errichtet. Zur Tarnung wurde er mit einem Biberschwanzdoppeldach ausgestattet. Es war auch noch eine Klinkerverblendung vorgesehen, die vermutlich aus Mangel an Zeit und Baumaterial nicht ausgeführt wurde. Er diente den Menschen aus der dichtbebauten Unterneustadt ohne sichere Kellerräume als Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten. Der Hochbunker trotzte auch dem vernichtendem Angriff am 22. Oktober 1943 bei dem die Unterneustadt vollständig zerstört wurde. Er rettete vielen Unterneustädtern in den Bombennächten 1943 das Leben und das ausgerechnet auf einem ehe­maligen Friedhof.

Grundriss Bunker Hafenstraße

Bunkerwartplatz

Beispiel eines Fernsprechplatzes in einem Luftschutzbunker

Quelle: www.bunkermuseum.de

In den 1960er Jahren wurde der Bunker im Rahmen der Zivilschutzplanung zur Zeit des kalten Krieges in den öffentlichen Schutzraumbau des Bundes neu einbezogen und nach der "Richtlinie für die Nutzbarmachung öffentlicher Schutzbauten" ausgestattet. Das Objekt des Bundes oblag die Auftragsverwaltung der Stadt Kassel. In den 1970er Jahren waren in dem Bunker zeitweise Fernmeldeeinheiten des Katastrophenschutzes untergebracht. Ab 1978 war der Bunker als öffentlicher Schutzbau wieder nutzbar.

Seit der Entlassung aus der Zivilschutzbindung dient er der Lagerung u. a. einer örtlichen politischen Partei als Lagerraum für Wahlplakate.

Autor: Erhard Schaeffer, März 2013

Quellen:

  • Wieviel "gebauter" Krieg steckt in der Stadt, Fachbereich Architektur Uni Kassel, Lola Meyer 2006
  • Flächenbombardierung als Kriegsmittel - die Luftangriffe auf Kassel im Zweiten Weltkrieg, Christopher Koch 2003
  • Bau- und Kunstdenkmäler Band Cassel Band VI 2. Teil . A. Holtmeyer.
  • Foto Erhard Schaeffer, 2010
  • Luftbild Junkers 1928

 

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Schutzplätze in Kassel, Stand 1999
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