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Antonius Raab - ein Mitbegründer der Kasseler Flugzeugindustrie

Zeit: 1924 | Ort: Munitionsfabrik 1916 
Antonius Raab, Sammlung Rolf Nagel

In den 70er Jahren wurde im Kasseler „Industriepark-Ost“ eine Straße  nach Antonius Raab benannt, weil, wie der Autor Rolf Nagel schreibt, er Mitbegründer der Kasseler Luftfahrtindustrie war. Antonius Raab war eine schillernde Persönlichkeit mit großen fliegerischen Fähigkeiten und überlegenem Auftreten. Er war ein Verkaufstalent, jemand, der immer wieder aufstand, aber auch jemand, der wegen seiner Finanzmanipulationen in Schwierigkeiten geriet.

Ich will mich in diesem Beitrag auf seinen Anteil an der Kasseler Flugzeugindustrie beschränken.

Der flugbegeisterte Anton Friedrich Raab, geb. 1897 im Kölner Raum, wuchs in der Nähe eines Flugplatzes (später Köln/Bonn) auf, meldete sich mit 17 Jahren freiwillig als Soldat, um Fliegerpilot zu werden, er wurde als Infanterieflieger ausgebildet. Nach dem Ersten Weltkrieg war er Pilot für Linienflüge, bei einer Breslauer Flugschule Fluglehrer, er war einer der besten Kunstflugpiloten Deutschlands, im Auftrag von Reichspräsident Ebert sollte er das deutsche Sportflugwesen wieder aufbauen (Militärflugzeuge waren den Deutschen verboten). Um dafür zu werben, er landete 1923 spektakulär in Berlin auf der Straße „Unter den Linden“, was ihm eine sehr große Popularität einbrachte. Nach dem Krieg war er der SPD beigetreten und verabscheute den militärischen Einsatz von Flugzeugen. Als er herausbekam, dass viele seiner Flugschüler verbotenerweise Offiziere der Reichswehr waren, kündigte er als Fluglehrer.

pelikan

Pelikan (Raab-Katzenstein Flugzeugwerk GmbH)

Anfang 1924 wurde Raab von Anatole Gobiet für die „Dieterich-Gobiet-Flugzeugbau-AG“ als Chefpilot und Flugleiter eingestellt. Es gelang ihm dann sehr gut, den Absatz der Flugzeuge zu steigern. Mit Katzenstein und Dieterich nahm er an vielen Flugwettbewerben teil und absolvierte viele Werbeflüge. Die Kasseler Firma ging Ende 1926  zwar in Konkurs, wurde aber im Rahmen der neu gegründeten „Raab-Katzenstein-Flugzeugwerke GmbH (RaKa), Kassel“ praktisch weiter geführt. Teilhaber waren Raabs Schwiegervater Hermann Kalkoff, Anatole Gobiet, Katzenstein und natürlich Raab, später auch Fieseler. In diesem Unternehmen wurde viel flugtechnische Pionierarbeit geleistet. Es wurden Flugzeuge wie „Schwalbe“, „Pelikan“, „Kranich“, „Grasmücke“, „Marabu“ und das Gleitflugzeug „Schmetterling entwickelt und gebaut. Auf dem Flughafen Waldau wurde der erste Schleppflug vorgeführt. Die Firma machte gute Geschäfte und lieferte in alle Welt, trotzdem musste das Unternehmen 1930 durch die Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden. Rolf Nagel schreibt in seinem  Buch "Kassel und die Luftfahrtindustrie seit 1923": "Bestimmt hatte auch Raabs Umgang mit Finanzen und seine unlautere Art der Geschäftsführung zum Niedergang des Unternehmens beigetragen.“

Raab-Katzenstein Flugwerke

Raab gab nie auf, er gründete Flugzeug- und andere Unternehmen in der ganzen Welt. Zunächst in Krefeld, dann in Estland, Lettland, Litauen, Griechenland, Ägypten, Indien, Pakistan, Italien und dann wieder in Deutschland (Köln).
In Kassel ist im Stadtteil Waldau eine Straße nach Antonius Raab benannt.

Sind Sie an weitergehenden Informationen interessiert, erhalten Sie diese in dem 2015 erschienenen Werk:

Rolf Nagel, Thorsten Bauer; Kassel und die Luftfahrtindustrie seit 1923; Melsungen, 2015, ISBN-Nr. 978-3-87064-147-4

Fotos: Rolf Nagel, a. a. O.

Autor und Redaktion: Falk Urlen, November 2015

 

 

 

 

 

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