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Der Kasseler Forst

Zeit: 1250-1299 | Ort: Kasseler Forst 
Rinder und Hirten in einem Hutewald

Der Forst hat eine alte und wechselvolle Geschichte; es wurden dort Urnenfunde aus frühester Zeit gemacht, Bereits in der ersten urkundlichen Erwähnung Kassels um 913 wurde der Forst als Hute bezeichnet, das war ein Weidegelände für das Vieh. Der „Vorst“ war das Gebiet zwischen der heutigen Unterneustadt, dem Ölmühlenweg, dem Lindenberg, Ochshausen und dem Wahlebach. Das gesamte Kasseler Gebiet war bei der Ersterwähnung bereits hunderte von Jahren besiedelt und der Forst genutzt.

Der Name „Vorst“ wurde für das Gebiet erstmals 1294 verwendet („in placito, quod fuit in silva, que dicitur Vorst, prope civitatem Casle sita" = in einer Ebene, welche mit Wald bedeckt ist und sich "Vorst" nennt)..

Unter einem Hutewald muss man sich einen lichten Eichenwald vorstellen, in dem Rinder weideten und die damals schwarz geflleckten Schweine unter der Aufsicht von Hirten mit Eicheln und Bucheckern gemästet wurden.

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Der Kuhhirt verschwand erst in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts aus dem Kasseler Stadtbild. Die "Hute" war umzäunt und mit Schlagbäumen versehen. Der Siechenhof  lag am Forst, hier sperrte 1791 eine Schranke am Zollhaus den Zugang zur Nürnberger Straße, für Marktfrauen und dem "Anliegerverkehr" war sie alllerdings geöffnet. Das sog. Chausseehäuschen, welches zwischen dem heutigen "Platz der Deutschen Einheit" und der Yorkstraße seinen Standort hatte, war vermutlich Unterkunft der Zollbeamten. Hinter dem Haus, abgegrenzt durch den Wahlebach, war der Sauplatz. Altere Forstfelder konnten sich an dieses Chauseehäuschen noch erinnern. Am Wahlebach wurden hier Weiden für die Korbflechter angebaut.

Chausseehäuschen

Das Chauseehäuschen mit Zollschranke

Für die Bettenhäuser war der Forst, der zu Kassel gehörte, immer problematisch. Aus der Schrift zum 850-sten Bettenhäuser Jubiläum entnehme ich die folgende Passage: „...hier lag für Bettenhausen eine Hürde besonders paradox - weil das Gebiet sich fast ganz eben erstreckt, also eine Hürde, die, solange die Gemeinde (Bettenhausen) noch selbständig war, nie bezwungen werden konnte“. Nicht einmal der Waldauer Pfarrer Schödde konnte den Forst überqueren, um zu seiner „Filial“ Bettenhausen zu gelangen. Er klagte (1773) und hatte Erfolg: Kassel musste die Gräben zuschütten, die den Weg des Pfarrers unpassierbar machten. Man nannte diesen Weg dann den „Pfaffenstieg“, bis 2009 eine Straße zwischen dem Einkaufszentrum an der Leipziger Str. und dem VW/Porsche-Zentrum. Der Weg führte damals durch militärisches Übungsgelände, denn seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts hatte Hessen-Kassel ein stehendes Heer, das auf dem Forst übte. Als im Jahre l877 mit dem Bau der Kassel-Waldkappeler Eisenbahn begonnen wurde, musste ein großes Stück des Forstes für die Anlage des Bahnhofs Bettenhausen abgetreten werden, es blieb aber Kasseler Gebiet. 1879 waren die Schienen gelegt, es entstand der Bahnhof Bettenhausen, der dann ein Jahr später an das Schienennetz des Kasseler Bahnhofs angeschlossen wurde. Nach dem Eisenbahnbau führte eine Fußgängerbrücke über den Pfaffenstieg, von hier aus beobachteten dann Bettenhäuser im Zweiten Weltkrieg die Bombardierung der Stadt, so Karl Wills.

Ein weiteres Teilstück des Forstes - der Sauplatz - wurde im Jahre 1894 für die Errichtung des Gaswerkes auf dem Sauplatz verwendet. Während des ersten Weltkrieges wurde auf dem Forst eine große Munitionsfabrik gebaut, die die Keimzelle für die spätere Industrialisierung und die damit einhergehende Besiedelung des Forstes war.

Karte des Forstes, 1859
Karte des Forstes aus dem Jahr 1859

Karte des Forstes, 1907.jpg
Karte des Forstes von 1907

Interessierte können sich die Karten als PDF-Datei herunterladen.

Editor: Falk Urlen, 2009

 

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Kartenzusammenstellung.pdf
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