Textbeitrag von Erhard Schaeffer
Weitere Beiträge von Erhard Schaeffer (115)

Weitere Beiträge zum Thema
"Stadtteilkultur":


Weitere Beiträge zum Thema
"Kirchliche Einrichtungen":

Die Kirche Waldau

Zeit: 1350-1399 | Ort: Alt Waldau 
Kirchturm 1938, Arbeitskreis der Ev. Kirchengemeinde Kassel-Waldau

Mittelpunkt des Ortskerns Waldau ist die Kirche. Der Turm hat eine spätgotische Form und ist eines der ältesten Bauwerke im Kasseler Osten. Das Kirchenschiff ist erst um 1740 auf alten Fundamenten neu gebaut worden.

Schon zu Beginn des 11. Jahrhunderts muss eine Kirche im Ort gestanden haben. Dies geht aus einem in der Kirchenwand eingemauerten Stein hervor, der die Gestalt eines Schachbrettfrieses hat. Es wurden auch Fundamentreste eines alten Kirchenbaus an der Südseite des heutigen Kirchenschiffs gefunden. 1377 wurde in Waldau eine Pfarrkirche errichtet, welche unter das Patronat der Landgrafen Kassels fiel. Im Mainzer Subsidienregister (Abgabenregister des spätmittelalterlichen Erzbistums Mainz) vom Jahre 1505 ist die Ortskirche mit 20 Albus eingetragen. Der letzte katholische Pfarrer von Waldau war auf der Synode zu Homburg, die 1526 in Homburg/Efze stattfand, zugegen.

Während der heutige Turm spätgotischen Ursprung hat, ist die Saalanlage des Kirchenschiffes 1740 neu gebaut worden. Vom einstigen gotischen Schiff, das sich dem Glockenturm in gleicher Breite östlich anschloss, sind die Umrisse des Daches auf der Außenseite der Turmwand erhalten. Die nur wenig abgesetzte Südmauer des neuen Kirchenschiffs steht auf dem alten Fundament. Auf der Nordseite springt das Schiff jedoch deutlich gegen das Glockenhaus vor. Die Außenfronten sind nüchtern gestaltet und bestehen aus grauem Sandstein und die Mauerflächen aus rötlichem Bruchstein. Die Südfront, welche die Eingänge aufweist, zeigt für Inschriften bestimmte Steintafeln, die unausgefüllt geblieben sind. In der Mitte der Südseite befindet sich ein Ehrenmal, welches am 21. November 1920 eingeweiht wurde. Der Entwurf stammt von dem Architekten Max Hummel, der auch u.a. die Stadthalle Kassel und das Rote Kreuz Krankenhaus entwarf. Gefertigt hat es Hans Homann. Das Ehrenmal wurde im Gedenken an die Waldauer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren oder vermisst wurden, errichtet.

Kirche Waldau, Ehrenmal auf der Südseite 2011

Leere Inschriftentafeln und das Ehrenmal auf der Südseite
Foto: Erhard Schaeffer, 2011

Das Kirchenschiff wurde in den Jahren 1968-1970 durch Abhängen der Decke und Querorientierung innen vollständig umgestaltet. Das Altarbild aus Lindenholz hat der Kasseler Bildhauer Hermann Pohl geschaffen. Die 1987 fertiggestellte Lötzerich-Orgel wird auch für Konzerte genutzt.

Der rechteckige Turm ist der älteste Teil der heutigen Kirche und ist möglicherweise im 14. Jahrhundert gebaut worden. Früher besaß er eine achteckige Spitze mit vier Ecktürmchen. In der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts wurde der Turm um ein Geschoss, die jetzige Glockenstube, erhöht. Weitere Bauarbeiten lassen sich aus der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts nachweisen. So berichten 1682 die Einwohner von Waldau: „...nicht allein vor etlichen Jahren ein newe Häußchen an das alte Pfarrhauß, sondern auch eine new Scheune mit schweren Kosten erbawet habe, deßgleichen auch den Kirchturm aufbeßern laßen undt eine Glocke so uff 175 Reichsthalern zu stehen kommen, bezahlen mußen.“ Die achteckige Turmspitze wurde leider im April 1945 durch eine Brandstiftung von der amerikanischen Armee zerstört, weil sie den Flugbetrieb auf dem militärisch wichtigen Waldauer Flugplatz behinderte. Beim Wiederaufbau, der 1951 abgeschlossen wurde, erhielt der Turm eine einfache Sattelhaube mit einem Kreuzsymbol.

Kirchenturm Waldau historisch                         Kirchenturm Waldau 2011

Der alte Turm mit achteckiger Spitze und der Turm heute mit Sattelhaube
Foto: Erhard Schaeffer, 2011

Waldau war bis 1900 fast 500 Jahre Sitz der Pfarrei für Bettenhausen. Für den Waldauer Pfarrer bedeutete dies, er musste um nach Bettenhausen zu kommen den Kasseler Forst, lange Zeit das Übungsgelände der Kasseler Garnison, durchqueren, um nicht weite Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Den Weg, den die Waldauer Pfarrer zu ihrer Filialkirche in Bettenhausen genommen haben, nannte man Pfaffenstieg.

Editor: Erhard Schaeffer, 2011

 

Quellen:

  • Evangelische Kirche in Kassel, www.ekkw.de/kassel/gemeinden/waldau.
  • Gesamtanlage Ortskern Waldau, Denkmalbuch der Stadt Kassel 1979
  • Ortsrepositur Waldau, Staatsarchiv Marburg
  • Arbeitskreis der Ev. Kirchengemeinde Kassel-Waldau
  • Arbeitskreis Waldauer Geschichte(n)

 

Finden Sie diesen Beitrag empfehlenswert ? Einfach auf das Feld klicken:
JA
708 sagen empfehlenswert
699 sagen neutral
724 sagen nicht empfehlenswert